Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren…

Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren…

Was hat der alte Schlager mit Kochlust zu tun? Ganz einfach: Die Stadt Heidelberg trägt seinen Namen nach den Heidelbeeren, weil auf den Bergen rund um den Ort reichlich von den blauen Waldbeeren wuchsen. Im Siegel der Universität Heidelberg sind sogar einige Zweige in der Umrandung abgebildet. Und ich habe mein Herz seit meiner Kindheit an diese Früchte des Waldes verloren. Die Rede ist von heimischen Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), die schon beim Pflücken die Finger blau färben. Und keiner kann’s verbergen, wenn er Heidelbeeren genascht hat – denn seine Zunge und die Lippen verraten ihn: heidelbeerblau gefärbt!

Und wie die schmecken, die kleinen blauen Beeren! Übrigens wohl eine der ältesten Speisen der Menschheit, zumindest in unseren Breiten. Heidelbeeren, auch Blau-, Schwarz-, Bick- oder Heubeeren genannt, gibt es kaum zu kaufen – man muss sich selber danach bücken. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir früher mit Eimerchen, Milchkanne oder Schüssel in den Wald gezogen sind, um Heidelbeeren zu pflücken. Unzählige von den kleinen blauen Dingern verschwanden im Mund, und es dauerte Stunden, bis ein paar Handvoll im Behältnis waren. Was waren das glückliche Tage.

Noch keiner hatte etwas vom Fuchsbandwurm gehört. Niemand scheute sich davor, Beeren aus dem Wald zu essen, im Gegenteil. Pfannkuchen, Vanillepudding, Milchreis, Grießbrei mit Heidelbeeren, das gab es im Spätsommer mindestens einmal die Woche. Und wie wir uns darauf freuten! Heutzutage wird man dagegen fast schon als lebensmüde angesehen, wenn man auch nur daran denkt, sich Heidelbeeren im Wald zu nähern. Obwohl eine Übertragung durch von Fuchsbandwurmeiern durch Waldbeeren oder Pilze nicht belegt ist – es wird lediglich über die Möglichkeit diskutiert. Beerenobst, Gemüse, Salat und Fallobst aus Garten und Kulturen ist in dieser Hinsicht ebenso (un-)gefährlich – aber wer bitte spricht bei Erdbeeren vom Feld eigentlich von diesem Risiko. Ich jedenfalls lasse mir den Genuss nicht verleiden, ich esse Heidelbeeren aus dem Wald ohne jede Furcht.

Und freue mich wie ein Kind, wenn ich eine Kolonie von Heidelbeersträuchern entdecke, wo es blau hervorblitzt. Mit flinken Fingern gepflückt und aus voller Hand in den Mund. Welch ein Aroma! Da bleiben Kulturheidelbeeren im doppelten Sinn des Wortes blass. Kulturheidelbeeren, sie stammen von nordamerikanischen Sträuchern ab, haben viel weniger Farbstoffe, sie sind innen hell und nicht einmal ihre Schale färbt so richtig. Und schmecken – naja. Aber die kann jeder kaufen, es gibt sie überall im Angebot. Ich gehe lieber wieder in den Wald …
Hier gibt es ein Blaubeerkuchen-Rezept von Renate.



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