Schwefelporling im August – überraschende Fundsache
Seit drei Jahren kenne ich den alten, am Boden liegenden Weidenstamm, an dem zuverlässig Schwefelporlinge wachsen. In jedem Frühjahr, meist im Mai, schaue ich beim Vorbeijoggen nach ihm.


Auch in diesem Jahr habe ich im Mai nachgesehen: Nichts.
Im Juni: nichts.
Auch im Juli blieb der Stamm leer.
Ich hatte den leckeren Baumpilz für dieses Jahr eigentlich schon abgeschrieben.
Vor ungefähr zehn Tagen habe ich zuletzt nachgeschaut: Wieder nichts zu sehen.
Doch gestern, am 8. August, plötzlich die Überraschung: riesige Schwefelporling-Büschel.

Ich musste zweimal hinschauen. Zuerst dachte ich, ich sehe nicht richtig. Aber tatsächlich: An den Stellen, wo der Baumpilz seit Jahren prächtig wächst, leuchteten drei große, orangefarbene Schwefelporling-Büschel.

Der erste ungefähr 40 × 60 Zentimeter, der zweite etwa 90 × 60 Zentimeter und der dritte sogar 50 × 100 Zentimeter.
Damit hatte ich nicht mehr gerechnet!
Ausgerechnet im August
Was mich an diesem Fund besonders fasziniert, ist nicht allein die Größe. Es ist der Zeitpunkt. In den vergangenen drei Jahren war der Mai mein Schwefelporling-Monat. Dieses Jahr vergingen Mai, Juni und Juli ohne sichtbare Fruchtung.
Nun ist Anfang August – und der Pilz erscheint nicht nur verspätet, sondern gleich mit drei außergewöhnlich großen Fruchtkörperverbänden. Natürlich kann ich nicht wissen, ob vor zehn Tagen tatsächlich überhaupt keine kleinen Ansätze vorhanden waren. Ich schaue beim Joggen schließlich aus mehreren Metern Entfernung auf den Stamm. Kleine Primordien (früheste, noch wenig entwickelte Anlage eines Organs oder einer Struktur) hätte ich durchaus übersehen können.
Aber die heutige Größe zeigt, wie schnell Schwefelporlinge ihre sichtbaren Fruchtkörper entwickeln können. Die eigentliche Besiedlung des Weidenstamms hat dabei nicht erst jetzt stattgefunden. Das Myzel (Hauptbestandteil eines Pilzes) war in diesem Fall schon lange im Holz vorhanden und wartete auf passende Bedingungen.
Ein ungewöhnliches Jahr
Auch das Wetter könnte eine Rolle gespielt haben. Dieses Jahr war es am Ammersee über längere Zeit sehr trocken. Dazwischen gab es allerdings einige heftige Regenfälle. Ob genau diese Kombination die späte Fruchtung ausgelöst hat, weiß ich nicht. Dafür sind die Zusammenhänge zu komplex.
Aber es erscheint mir durchaus bemerkenswert, dass nach Monaten ohne sichtbare Fruchtkörper plötzlich drei prächtige Exemplare gleichzeitig erscheinen – förmlich explodieren.
Vielleicht hat der Pilz einfach auf Bedingungen gewartet, die in diesem Jahr erst deutlich später eingetreten sind.
Größer als im vergangenen Jahr
Noch etwas fällt mir auf: Die diesjährigen Schwefelporling-Büschel sind deutlich größer als im vergangenen Jahr. Das hätte ich nach der langen Wartezeit nicht erwartet.
Die Farbe ist allerdings etwas weniger kräftig als im Vorjahr. Die Oberseiten sind eher hellorange, während die Unterseiten ein kräftiges Gelb zeigen. Die Fruchtkörper sind weich und saftig und machen einen sehr frischen Eindruck – und sie riechen hervorragend nach Pilz. Wenn ich die Küche betrete, steigt mir sofort der angenehme Geruch in die Nase.
Bei einem der Büschel, wo ich einige Teile geerntet und inzwischen auf der Terrasse liegen habe, kann ich die unterschiedlichen Bereiche besonders gut beobachten. Die Ränder sind teilweise deutlich heller als die übrigen Partien. Das bedeutet: Der Pilz ist schnell gewachsen.

Drei Jahre Schwefelporling
Seit drei Jahren begleiten mich die Schwefelporlinge an diesem Weidenstamm nun schon. In dieser Zeit habe ich zahlreiche Pilzeteile geerntet und viele Rezepte damit kreiert. Einige davon habe ich hier im Kochlustblog bereits veröffentlicht.
Gerade deshalb finde ich den diesjährigen Fund so bemerkenswert. Man glaubt, einen bestimmten Standort zu kennen. Man kennt die Jahreszeit, in der der Pilz erscheint, die Stellen am Stamm und ungefähr die Größe, mit der man rechnen kann. Und dann kommt ein Jahr, das völlig anders verläuft.
- kein Schwefelporling im Mai
- keiner im Juni
- keiner im Juli
- drei riesige Schwefelporling-Büschel im August
Die Natur macht halt, was sie will. Und das ist gut so!
Jetzt wird gekocht
Nach drei Jahren Schwefelporling-Erfahrung gibt es bei mir inzwischen genügend Ideen, was ich daraus machen kann.
Ansonsten lautet meine Erkenntnis: Man kann einen Standort über Jahre beobachten und trotzdem immer wieder überrascht werden. Der alte Weidenstamm war für mich bisher ein zuverlässiger Mai-Schwefelporling–Lieferant. In diesem Jahr hat er mich bis August warten lassen. Dafür hat sich der Baumpilz mit drei beeindruckenden Büscheln zurückgemeldet.
Jetzt freue ich mich darauf, mit der überraschenden Fundsache etwas Leckeres auf den Teller zu bringen. Vielleicht mit Buchweizen. Dieses Mal ohne Bärlauch. Denn den kann man maximal bis Mai ernten …


