Springkraut

Springkraut

Kraut-rühr-mich-nicht-an!
Springkräuter, die der Volksmund auch als Rührmichnichtan bezeichnet, gibt es viele. Zahlreiche Bezeichnungen Springinkerl, Springala, Hüpferla, Huppekraut, Zappelsalat, Knisperdinger, Schnellkraut oder Flitschblümchen erzählen von der speziellen Eigenschaft dieser Pflanzengruppe. Auch der botanische Gattungsname spricht Bände, denn Impatiens bedeutet so viel wie ungeduldig. Zu den „Ungeduldigen“ zählen auch Fleißige Lieschen (Impatiens walleriana) wie Edellieschen (Impatiens Sortengruppe Neu-Guinea), beliebte Zierpflanzen, die allerdings kein solch hektisches Verhalten mehr an den Tag legen wie ihre Verwandten.

Dreierlei Ungeduld
Heimisch ist einzig das Echte oder Große Springkraut (Impatiens noli-tangere) mit wundervollen gelben Schaukelblüten. Das Kleinblütige oder Sibirische Springkraut (Impatiens parviflora) mit eher unauffälligen gelben Blüten, das aber in großen beständen in vielen Wäldern wächst, stammt ebenso wie das imposante Indische, Drüsige oder Rote Springkraut (Impatiens glandulifera) aus den Gebirgen Zentralasiens. Gerade das Letztgenannte wird als invasiver Neophyt, also als massiv in die heimische Flora eindringende fremdländische Pflanze, mit kritischem Blick beobachtet, teilweise sogar angefeindet oder gar verteufelt.

Samenschleudern
Was für ein Spaß! Man muss sie nicht einmal anlangen, schon hupft’s und hoppt’s bei den Springkräutern. Ab dem Spätsommer beginnt die große Springerei, wenn die reifen Fruchtkapseln ausgelöst durch geringste Erschütterung, zarte Berührung oder Regentropfen explodieren. Die Samen sitzen quasi auf Schleudersitzen. Durch plötzliches Aufreißen der bis zum Bersten gespannten Fruchtkapsel werden die stecknadelkopfgroßen Samenkörner raketenartig beschleunigt und bis zu sieben oder acht Metern weit geschossen. Übertragen auf menschliche Verhältnisse würde das bedeuten, dass ein Mensch per Schleudersitz 20.000 Meter, also 20 Kilometer zurücklegen würde. Eine wirklich rasante Reise. Zuerst erschrickt man im Springkrautwald, wenn die Samen aus nur einer Kapsel eine Kettenreaktion auslösen. Bald aber ist es ein Riesenvergnügen.

Spring-in-die-Tüte
Wem es gelingt, die Samen zu fangen, hat noch mehr Freude. Jede Pflanze bildet mehrere tausend Samen, und es stehen stets ganz viele Pflanzen dicht beieinander. Da sollte es doch nicht schwierig sein, ein paar hundert Samen zu ernten? Man pflückt Stängel mit reifen Kapseln, nachdem man sie vorher mit einer Tüte umhüllt hat. Die Tüte kann man dann klopfen, dabei springen die Samen heraus und sammeln sich auf dem Boden. Stängel, Blätter und Kapselreste fischt man heraus, die Samen leert man auf einen großen Teller und befreit sie von unerwünschten Teilen.

Spring-in-den-Mund
Die Samen sind neben den Blüten das Einzige, was man von den Springkräutern genießen kann. Sie sind ölhaltig und erinnern vom Aroma an Walnüsse. Noch unreif und weiß schmecken sie grasig, reifer und braun bis grau dann nussiger, vollreif und dunkelbraun bis schwarz kräftig nussig-herb. Man kann sie roh, geröstet oder auch getrocknet verzehren. Sie eignen sich als Nussersatz, man kann sie einfach über Müsli, Salat und Gemüse streuen, Gebäck damit anreichern oder Pesto damit mixen. Kurzum überall, wo auch Nüsse verwendet werden.


Wie sie selbst Springkrautsamen erntet, hat Renate hier beschrieben.