Kostenlos ist geil – besonders für die Nutznießer!
Geiz ist geil. Vor allem im Internet. Man findet Rezepte, Anleitungen, Tipps, Erfahrungsberichte und Wissen aller Art. Ein Klick – und schon hat man, was man sucht. Kostenlos natürlich.
Auch auf meinem Wildkräuter-Kochblog gibt es meine selbst kreierten Rezepte kostenlos. Und wer sich dort nur mit Bärlauch und Giersch beschäftigt, verpasst einiges.
Ich schreibe zum Beispiel über Ackermelde, Kohldistel, Breitwegerich, Wiesenbärenklau und die Samen der wilden Möhre. Ich experimentiere mit Eicheln – nicht nur mit Eichelmehl, sondern mit ganzen, gehackten Eicheln. Ich entwickle Rezepte, probiere sie aus, fotografiere, schreibe und recherchiere.
Und dann gibt es da noch solche Dinge wie ein Schwefelporlingschnitzel mit Breitwegerichsamen-Panade.

Das alles macht mir Spaß.
Doch kostenlos heißt leider oft: selbstverständlich.
Aber: Kein Schwein weiß das zu schätzen!

Bei vielen Rezepten sehe ich, dass sie sehr häufig aufgerufen werden. Menschen suchen danach, lesen sie und nutzen die Informationen und Ideen. So hat mein Rezept für Kirschpflaumen-Gelee 18.330 Besucher. Einen Kommentar hinterlassen haben: 15.

Von den 18.330 Besuchern verlassen 18.315 also die Rezeptseite – ohne ein Wort. Das verletzt mich, denn mit Wertschätzung haben diese Zahlen definitiv nichts zu tun. Und die Werbung des MediaMarkt hatte recht: Geiz ist geil!
Man kann einen Ochsen ins Horn pfetzen
Bei einigen besonders häufig gelesenen Rezepten habe ich einen kleinen Hinweis angebracht: Ich habe erklärt, dass meine Kreationen nicht einfach vom Himmel fallen. Sie kosten viele Stunden Zeit für das Sammeln der Zutaten, Zubereiten, Kochen, Backen, Fotografieren und Schreiben.
Aber dieser Hinweis wurde ignoriert, und ich denke dabei an die badische Redewendung: Man kann einen Ochsen ins Horn pfetzen. Dieser Spruch bedeutet: sinnloser Versuch, jemanden zu einer Reaktion zu motivieren.

Wertschätzung wirkt in beide Richtungen
Trotzdem geht es mir um etwas anderes als um fehlende Kommentare. Ich frage mich nämlich, warum wir so sparsam mit Wertschätzung umgehen. Wertschätzung ist kein Lob. Sie bedeutet nicht, jemanden auf ein Podest zu stellen. Sie bedeutet einfach nur, kurz innezuhalten und zu sagen:
Ich habe dich wahrgenommen. Mit Freude. Danke.
Und das Erstaunliche daran: Wertschätzung wirkt in beide Richtungen: Der Empfänger fühlt sich wahrgenommen. Und derjenige, der Danke sagt, tut sich damit ebenfalls etwas Gutes. Denn es ist ein schönes Gefühl, einem anderen Menschen zu zeigen: Ich habe erkannt, was du gemacht hast, und ich schätze es wert.
Vielleicht sollten wir deshalb etwas großzügiger mit Wertschätzung umgehen. Sie kostet nichts. Aber sie kann erstaunlich viel bewirken.
Ein Wildkräuterrezept mag kostenlos sein. Seine Entstehung ist es nicht!

